Gedanken zum Hund
|
|
Wir müssen selbst die Veränderung sein, |
Hunde haben in unserer Gesellschaft einen sehr, sehr schweren Stand. Sie sollen alle Menschen mögen, Kinder lieben und sich mit jedem Hund verstehen.
Zudem sollen sie beim Versäubern keine Spuren hinterlassen und möglichst nicht bellen. Hunde müssen das Ausdrucksverhalten des Menschen verstehen, der Mensch ihres aber nicht. Verhält sich ein Mensch aus der Sicht des Hundes gefährlich/falsch und es erfolgt eine entsprechende Reaktion, wird beim Hund korrigiert. Menschen hinterfragen oft das Verhalten der Hunde nicht (weil sie es nicht so gelernt haben), Nichthundebesitzer meistens gar nicht. Das ist die Ausgangslage, wie sie sich heute (leider) in unserer Gesellschaft präsentiert.
Was aber sind die echten Bedürfnisse unserer Haushunde? Wenn man das Leben von Strassenhunde betrachtet (dieser Vergleich stimmt für mich mehr, als der Vergleich mit Wölfen), so sind diese Hunde in der Regel sehr sozial eingestellt. Klar, sie haben kein einfaches Leben und doch sind sie ihrer ursprünglichen Bestimmung näher als unsere Haushunde. Sie schlafen viel, suchen Futter, pflegen ihre Sozialkontakte. Sie haben in vielen Dingen Wahlmöglichkeiten, können tun, was in ihrem Interesse steht. Haushunde leben aus unserer Sicht ein besseres Leben. Ist das so? Haben sie Wahlmöglichkeiten oder ist es oft so, dass der Mensch bestimmt, wann und wie lange sie spazieren gehen dürfen, wie lange sie, wenn überhaupt, schnüffeln dürfen? Sie werden an von Menschenhand erschaffene Trainings oder Wettkämpfe geführt, in Restaurants oder auf die Arbeit mitgenommen, ohne dass der Mensch sich dabei die Frage stellt, ob der Hund überhaupt in der Lage ist, sein Programm mitzumachen. Würde ein Hund mit gesundheitlichen Problemen freiwillig “Hundesport” oder stundenlange ”Sitz und Platz”-Übungen machen ? Wenn ein Hund schlechte Erfahrungen mit Artgenossen gemacht hat, würde er von sich aus um 6 – 10 Hunde Slalom oder durch eine Hundegasse laufen? Es gäbe noch viele Beispiele aufzuzählen, welche Hundebesitzer ohne einen Gedanken dabei zu verschwenden, den Hunden einfach so zumuten, weil sie es meistens nicht besser wissen und weil es ihnen so vermittelt wird.
Doch es gibt auch andere Wege. Wege auf welchen Hund und Mensch als Team lernen, sich entwickeln dürfen, wo Zeit keine Rolle spielt. Das Leben ist ein ewiges Trainingsfeld, Mensch wie Hund lernen ein Leben lang. In einem auf Prävention ausgerichteten Training lässt man den Hund seine Umwelt entdecken und kennenlernen, man lässt ihm Zeit und setzt ihn nicht unter Druck. Man gibt ihm die Möglichkeit mit sinnvollen Alternativen seine Instinkte ausleben zu können. Mit sinnvoll meine ich seinen Instinkten angepasste mentale Stimulation. Der Mensch ist auf diesem Weg bemüht, das Ausdrucksverhalten seines Hundes kennen zu lernen, um ihm aus schwierigen Situationen hinaushelfen zu können. So kann Beziehung wachsen.
Zwischen dem Menschen und seinem Hund soll eine Urvertrauen bestehen. Unterordnung oder die schon lange überhole Dominanztheorie haben damit überhaupt nichts zu tun. Unterordnung ist Kontrolle über ein Wesen, nicht aber Beziehung! Eine Beziehung kann nur über Vertrauen und Verstehen entstehen, egal ob zwischen Mensch und Mensch oder Mensch und Tier.
Möge ein besseres Verständnis wachsen, für Mensch und Hund, jedes in seiner Einzigartigkeit.
Für glückliche Hunde mit glücklichen Menschen!
Michèle Roncaglioni, Hundetrainerin IDBTS mit Zusatz NF SKN


