Verhaltensauffälligkeiten

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Mein Hund jagt – Jagdverhalten der Hunde

Zuerst möchte ich hierzu gleich einen Literaturtipp geben, das unerwünschte Jagdverhalten von Clarissa von Reinhard (s. Buchtipps).

Das Jagdverhalten gehört zu den Wesenseigenschaften aller Hunde. Sie sind in ihrem Herzen Jäger. Das Jagdverhalten kann aufgrund von Rassemerkmalen natürlich ausgeprägter sein. Und doch gibt es keine Regel ohne Ausnahmen. Es gibt typische Jagdhunderassen, die kein Interesse an der Jagd zeigen und es gibt Hunde, die nicht der Kategorie der Jagdhunde zugeordnet sind und trotzdem intensiv jagen. Oft steht das Jagdverhalten auch im Zusammenhang mit den Menschen, was lernen sie (oft unbewusst) ihren Hunden.

Die zur jagdlichen Arbeit eingesetzten Hunde lernt man, wie sie richtig im Dienste des Jägers  jagen. Z.B. ein für den Apport ausgebildeter Hund bringt das Wild in weichem Fang dem Jäger zurück. Es gibt jagdliche Arbeitshunde, welche in ihren Familien leben und ausserhalb der Jagdsaison nicht jagen, also zwischen Arbeit und Freizeit gut unterscheiden können.

Wenn man einen Jagdhund als Familienhund wählt, sollte man sich gut über seine Veranlagung informieren. Es sollten auch nicht Hunde aus Arbeitslinien (spezielle Jagdhundezuchten) gewählt werden. Jagdhunde kann man ihren Anlagen entsprechend beschäftigen, ohne dass man mit der Flinte auf die Jagd gehen muss. Hierzu gibt es u.a. eine Form beschrieben im Buch Jagdhund ohne Jagdschein von Sabine Midlehauffe (s. Buchtipps)

Das Jagdverhalten ist abhängig von

  • der Instinktsicherheit des Hundes (Zuchtlinie, Rasse)
  • den Gelegenheiten zum Lernen durch Nachahmung
  • den Augenblicken einer Gruppendynamik (gab es Gelegenheiten, bei welchen der Hund mit anderen Hunden gemeinsam jagen konnte)
  • den Gelegenheiten, die sich ihm zum „Üben“ boten (z.B. ständiges Bällchenwerfen gehört da auch dazu).
  • Aber auch eine Unterfütterung, ständige Hungergefühle, können zur Jagd animieren.

Bei den Hunden sind für die Jagd alle Sinne im Einsatz.

  • Vorzugsweise werden zuerst die Augen eingesetzt. Bewegt sich etwas im Sichtfeld des Hundes, beginnt die Jagd. Viele Hundebesitzer beklagen sich darüber, dass ihre Hunde Katzen jagen. Eigene Beobachtungen haben mich gelehrt, dass vom Chihuahua bis zur Dogge eine Sichtjagt (sehen und dann hetzen) auch auf grössere Distanz möglich ist.
  • Mit den Ohren wird das Rascheln oder Knacken von Ästen wahrgenommen und gibt den Hunden die Richtung von möglichen Beutetieren an.
  • Die Nase wird verschieden eingesetzt. Ist das Wild in der Nähe, wird der Geruch mit hoher Nase aufgenommen. Folgt der Hund einer Fährt, ist die Nase auf oder etwas über dem Boden (ja nach frische der Fährte oder der Art, wie der Hund arbeitet).

Hundehalter, welche aufmerksam ihre Hunde beobachten, können alle vier Elemente der Sinneswahrnehmung bei ihrem Hund erkennen. Gutes Beobachten, auch auf dem Spaziergang, lohnt sich immer. Der Mensch muss ganz einfach schneller sein.

Jagdliche Zuchtlinien (Arbeitslinien) weisen verschiedene Arten des Jagens aus:

  • das Rennen/Hetzen (Laufhunde – z.B. Bracke, Windhunde/Podencos)
  • das Beutetragen (Apportierhunde – z.B. Retriever)
  • das Aufstöbern (Stöberhunde – z.B. deutsche Wachtel, Cocker Spaniel)
  • die Fährte (Schweisshunderassen)
  • das Vorstehen, anzeigen des Wildes (z. B. Weimaraner, Magyar Viszla, Setterhunde)
  • das Heraustreiben aus den Bauten (Erdhunde – z.B. Dackel, Parson/Jack Russell Terrier)

Das unerwünschte Jagdverhalten von nicht jagdlich geführten Hunden ist meistens die Hetzjagd auf ein Tier, welches vom Hund gesehen wird.  Mit dieser Jagdform holt sich der Hund oft eine Selbstbelohnung, beschäftigt sich eigenständig. Es liegt also am Menschen, dass der Hund nicht ein solches Verhalten lernt. Artgerechte Beschäftigung, welche den (unerwünschten) Jagdtrieb im Hund nicht unnötig fördert, ist gefragt. Alle Spiele oder Sportarten, bei welchen der Hund einem Gegenstand hinterher jagen darf, fördern den Hetztrieb. Den Kick (eine Art von Belohnung), welchen er im Spiel erfährt, wird er sich auch bei lebenden Tieren holen, er wird da keinen Unterschied machen.
Ist man mit mehreren Hunden unterwegs, kann ein Hund eine Jagd mit dem ganze Rudel auslösen (auch wenn die anderen Hunde in der Regel nicht jagen (Rudeleffekt).

Hundehaltende müssen auf den Spaziergängen agieren, d.h. hohe Aufmerksamkeit, die Landschaft einschätzen, Windverhältnisse beachten und den Hund lesen können (nimmt er eine Spur auf, steht er vor, sucht er den Horizont ab, dann ist er u.U. bereits in seiner Jagd-Welt / ist er in stetigem freiwilligem  Blickkontakt mit seinem Menschen, dann steht er in Beziehung zu seinem Menschen). 

Eigene Ablenkungen liegen auf den Spaziergängen nicht drin, der Hund wird das nämlich sehr schnell bemerken, ob die Aufmerksamkeit ihm gilt oder etwas anderem. Zeigt ein Hund ein Jagdverhalten, ist er schneller weg, als uns lieb ist…

Bellverhalten

Wie lange darf ein Hund bellen? Diese Frage wird viel gestellt. Sie kommt oft daher, weil sich Nachbarn über Hundegebell belästigt fühlen können oder gar Reklamationen bei den zuständigen Behörden eingereicht werden. Gefunden habe ich aus unserem Gemeindeblatt diese Vorschriften:

Laut Art. 684 des ZGB muss kein Nachbar ein dauerndes Gebell von Hunden erdulden. Fur den Schweizer Tierschutz STS ist die Grenze des tolerierbaren Lärmes zudem überschritten, wenn der Nachbarshund täglich während rund einer Stunde bellt.

Wie lange darf ein Hund nun also bellen? Für mich ist die Fragestellung falsch. Die Frage sollte lauten: Wann ist das Bellverhalten für den Hund eine Belastung?

Die verschiedenen Arten des Bellens

Dazu gibt es ein Buch von Turid Rugaas, das Bellverhalten der Hunde (s. auch Literaturtipps) Eine kleine Zusammenfassung gebe ich aber gerne an dieser Stelle ab.

Das Bellverhalten des Hundes gehört zu seinem Ausdrucksverhalten wie die Körpersprache auch. Das Bellen ist eine Lautäusserung wie das Winseln, Knurren und  Heulen.
Einem Hund das Bellen zu verbieten käme einem Verbot zu sprechen bei den Menschen gleich. Die Frage ist immer die, wann und warum bellt ein Hund. In der Form der normalen Kommunikation ist ein Hundebellen in der Regel sehr kurz, dauert nur ein paar Sekunden (hier reagieren die Menschen wirklich oft einfach über, das ist ganz klar meine Meinung – schaut man, welchen Geräuschen man tagtäglich ausgesetzt ist, gehen die Beller der Hunde darin definitiv unter!).  Durch die Art des Bellens können Emotionen des Hundes herausgehört werden, wie z.B. Freude, Wut, Angst oder gar Stress. Dort wo es anhaltend erscheint, also stundenlanges Bellen oder heulen, geschieht dies aus einem Unbehagen des Hundes heraus und ist je länger es dauert umso schlimmer für ihn. Dies ist wohl auch ein Grund, warum der STS ein dauerndes Gebell von einer Stunde als nicht mehr tolerierbar erachtet.

Natürlich gibt es Rassen, welche bereits aus ihrer genetischen Veranlagung heraus bellfreudiger sind. z.B. Spitze, Appenzeller etc. wurden darauf hin gezüchtet ein gewisses Bellverhalten zu zeigen.

Ist das Bellverhalten tatsächlich ein Verhaltensproblem sollte man immer seine Ursachen  kennen und das Problem ganzheitlich angehen. Niemals aber sollte ein Hund für sein Bellverhalten bestraft werden!

Man spricht von 5 Formen im Bellverhalten:

  • Angstbellen zeigt sich oft in hohen Tonlagen vermischt mit hysterischem Winseln und Heulen. Damit verbunden sind oft auch noch hektische Aktivitäten des Hundes wie herumrennen, an Türen kratzen, etc.
  • Erlerntes Bellen zeigt sich in schnellem Bellen – Kläffen. Der Hund sieht sich dabei oft um, ob er von den Besitzern registriert wird.
    Ein erlerntes Bellen entsteht dann, wenn man dem Hund im falschen Moment in irgend einer Form Beachtung bzw. Aufmerksamkeit schenkt. Z.B. der Hund hat gebellt und er wurde darauf hin angesprochen oder gerügt. Der Hund lernte so, Aufmerksamkeit zu erhalten, wenn er bellt.
  • Verteidigungsbellen zeigt sich sehr klar durch die Begleitung eines unterschwelligen Knurrens. Der Hund bewegt sich vorwärts und ist in seiner Körperhaltung sehr angespannt (ev. noch aufgerichtete Nackenhaare). Etwas oder jemand muss aus Sicht des Hundes verteidigt werden.
    Verteidigungsbellen kann Rasseabhängig sein (Hütehunde), aber auch durch Futteraggression, Selbstverteidigung (man spricht hier oft von einem Vertreibungsbellen) oder Ressourcenverteidung entstehen.
  • Aufregungsbellen zeigt sich in kontinuierlich hoher Tonlage und wird immer wieder durch Winseln unterbrochen. Der Hund ist in Bewegung, dreht sich um sich selber, springt, versucht etwas in den Fang zu nehmen. In diesem Moment erwartet der Hund gewisse Aktivitäten wie z.B. auf den Spaziergang gehen zu können, Spass haben. In Begrüssungsritualen kann ebenfalls ein Aufregungsbellen entstehen.
  • Frustrationsbellen zieht sich endlos dahin, zeigt sich stereotyp und monoton. Endet oft mit Heulen. Frustrationsbellen ist stressbedingt und resultiert aus länger andauerndem Stress. In Tierheimen oder in Zwingerhaltung* kann man oft Frustrationsbellen beobachten. Das stereotype und monotone Gebelle/Geheul setzt den Hund in eine Art Trancezustand. Verhaltensformen wie Wundlecken, -beissen, Graben und sich im Kreis drehen sind nicht selten weitere Begleiterscheinungen.

Die voran beschriebenen 5 Bellverhalten sind dann ein Problem wenn sie oft und anhaltend auftreten – sich als Verhaltensauffälligkeit zeigen. Wenn der Hund ab und zu bellt ist das ein absolut normales Ausdrucksverhalten. Kann der Mensch die verschiedenen Bellverhalten unterscheiden, weiss er schon wieder etwas mehr über das Ausdrucksverhalten seines Hundes und kann ihm Unterstützung bieten. Ein entspannter Hund bellt weniger, weil bellen immer etwas mit Aufregung zu tun hat, sei dies positive oder negative Aufregung.

Toleranz ist ein sehr wichtiger Bestandteil im Zusammenleben mit Lebewesen. Dazu gehören Geräusche einfach dazu, sei dies nun eine kurze Sequenz bellen, ein Rasenmäher oder spielende Kinder.
Verantwortung für seinen Hund übernehmen, heisst auch respektvoll mit dem Umfeld umgehen. Wenn ein Hund viel bellt, wenn er alleine im Garten ist, muss man als Hundehalter die Zeit im Garten mit seinem Hund verbringen oder den Hund zurück ins Haus nehmen. Der Hundehalter trägt die Verantwortung für seinen Hund. Der Hund tut nur das, was aus seiner Sicht in dieser Situation völlig normal ist, nämlich bellen.

*Zwingerhaltung, neues Tierschutzgesetz: Hunde dürfen in Boxen oder Zwingern für längere Zeit nur paarweise oder in Gruppen gehalten werden (ausgenommen mit Artgenossen unverträgliche Tiere). Jedes Tier muss eine erhöhte Liegefläche und eine Rückzugsmöglichkeit zur Verfügung haben.

 

Hundeschule auf dem Sofa

 

Dieses Thema hatte ich bereits vor längerer Zeit einmal aufgegriffen (s. auch hier). Bis vor kurzem habe ich mir Hundetraining-Sendungen nicht angeschaut. In letzter Zeit wurde ich aber immer mehr aus meinem Umfeld auf verschiedene Sendungen von deutschen und amerikanischen Fernsehsendern angesprochen. Anschauen tue ich mir die Sendungen nach wie vor nicht über den Fernseher, es gibt aber die Möglichkeit alle Sendungen auch über das Internet anzuschauen. Das praktisch daran ist, dass die Filme angehalten werden können und man sich gewisse Sequenzen genauer betrachten kann.

Bestimmt verfügen diese Trainer über ein grosses Fachwissen über die Hunde. Sie kennen auch die Körpersprache der Hunde, dass zeigte mir ihr Verhalten gegenüber den Hunden. Die Trainer sprechen von positiven Methoden, Methoden, welche dem Hund keine Schmerzen bereitet. Auch das sind sehr positive Ansätze.

Was wird den Zuschauern aber präsentiert? Qualität? Wahrheit? Ich weiss es nicht, weil ich bei den Trainings nicht an Ort und Stelle dabei sein kann. Was aber sicher ist, es werden nur Filmausschnitte gezeigt. Was nicht passt, wird weggeschnitten. Was passiert beispielsweise mit den Fällen, welche nicht das erwünschte Resultat erbringen? Werden diese auch am Fernsehen ausgestrahlt? Wie geht es den Hunden ein paar Jahre später? Die Antwort darauf kennen nur die Hundehaltenden.

Ich spreche ganz bewusst von Filmausschnitten. In den Sendungen aus Amerika z.B. wurde mit versteckten Hilfsmitteln gearbeitet. Die Kameraeinstellungen waren so gerichtet, dass man die Kettenwürger oder die Moxonleinen ohne Stopp kaum erkennen konnte. Stellt man die Filme im richtigen Augenblick ab, kann man in Sekundenbruchteilen eben genau diese Hilfsmittel erkennen (welche dem Hund physische Schmerzen bereiten). Für die Fernsehsendung selber wurden natürlich die Bilder, auf welchen diese Hilfsmittel gut ersichtlich waren, weggeschnitten.

Generell ist mir aufgefallen, dass die Menschen oft über die Vorschläge der Trainingsmethode nicht begeistert sind, aber das Training dann mitmachen. Einmal mehr hören sie nicht auf ihr Herz!

Auch werden Hunde getestet und es wird mit ihrer Angst gearbeitet. Um einen Hund zu beobachten muss man ihn nicht testen. Man kann sein Verhalten auch ohne zu testen erkennen. Muss ein Hund seine Verhaltensauffälligkeit zeigen, geht es ihm in diesem Moment psychisch nicht gut. Verhaltensauffälligkeiten entstehen ja dadurch, dass ein Hund mit seiner Umwelt nicht klar kommt oder einen erhöhten Stresslevel hat, das müsste doch eigentlich jedem Trainer klar sein. Also warum muss man den Hund dann noch zusätzlich in diesen Zustand versetzen. Rütteldosen, Wurfketten etc. (welche in den Trainings auch angewendet wurden) lösen beim Hund zwar keinen physischen Schmerz aus, aber einen psychischen. Wer sich gerne in Lage des Hundes versetzen möchte, der bittet doch einfach einmal jemanden, während des Tages willkürlich und zu einem für ihn nicht voraussehbaren Zeitpunkt einen Ballon in der Nähe seines Gehöres platzen zu lassen und das möglichst oft am Tag (das würde dann ungefähr dem Geräuschpegel einer Rütteldose für einen Hund mit einem viel feineren Gehör entsprechen). Wie wir uns wohl nach so einem Tag des Dauererschreckens fühlen würden?

Die Sendungen erscheinen gut, sie haben Unterhaltungscharakter. Aber müssen wir uns immer auf Kosten der Hunde (oder anderen Lebewesen) unterhalten?

Was mich wirklich nachdenklich stimmt, ist die Tatsache, dass im Petshop nach solchen Sendungen die Nachfrage nach Rütteldosen und Co. plötzlich sehr gross ist. Das Testen geht also weiter…Wird das die Zukunft sein, Hundeschulen auf dem Sofa?

Kastration – ja oder nein?

Auch beim Thema Kastration gehen wie so oft die Meinungen, wenn es um den Hund geht, weit auseinander.

Es gibt verschiedene Gründe warum Menschen ihre Hunde kastrieren lassen:

  • Unerwünschtes Verhalten (häufigster Grund einer Kastration, vielfach dann aber ohne Erfolg)
  • Haltergründe (beim Zusammenleben einer Hündin und einem Rüden / praktische Erwägungen z.B. weil Spaziergänge mit läufigen Hündinnen als mühsam empfunden werden / nächtelanges Heulen der Rüden während der Läufigkeit einer in der Nachbarschaft lebenden läufigen Hündin etc.)
  • Medizinische Gründe (z.B. immer wiederkehrende Scheinschwanger-schaften bei Hündinnen, Krebs etc.)

Wie bei allen Themen rund um den Hund sollte man immer jedes Wesen individuell betrachten, in dem Fall, wie geht der Hund mit seinen Hormonen um. Es gibt Rüden, die ihre Hormone nicht im Griff haben, dadurch leiden. Es gibt auch Hündinnen, welche unter ständigen Scheinschwangerschaften leiden, weil sie keinen Nachwuchs erhalten können. Bestimmt kann man hier sagen, dass ein Hund ein entspannteres Leben führen kann, wenn er nicht die ganze Zeit hormongesteuert sein muss und sein Sexualleben nicht ausleben darf. Betrifft dies aber die Mehrheit der Hunde? Sehr viele Hunde sind kastriert, Kastration gehört schon fast zum Standard, ausser es bestehen Gründe der Weiterzucht oder bei den Rüden der Bedarf, seinen Hund ausstellen zu wollen.

Viele Fragezeichen entstehen bei mir. Wie erfolgt die Aufklärung der Menschen über das Sexualverhalten ihrer Hunde? Ich habe zum Beispiel von meiner Züchterin die Empfehlung erhalten, meinen intakten Rüden keinen Urin lecken zu lassen, es würde ihn unnötig „scharf“ machen. Ist das die richtige Empfehlung? Wie lernt ein Hund über die Sexualität seiner Artgenossen, wie klärt er sich auf? In dem wir ihm alles unterbinden? Was überträgt sich alles auf eine Hündin während ihrer Läufigkeit? Wie geht sie zum Beispiel mit der Angst und Anspannung, sie könnte gedeckt werden, ihres Menschen um? Wie verhält sich der Mensch in seiner Anspannung gegenüber seiner Hündin, ruhig, souverän?

Rat über die Auswirkungen einer Kastration kann sich der Mensch natürlich beim Tierarzt holen, was bestimmt ein guter Weg ist. Nur gehen leider auch hier die Meinungen auseinander. Während die einen Tierärzte zur Frühkastration (ab 4 Monaten) raten, empfehlen andere, die Hunde erst erwachsen werden zu lassen, also frühestens ab 3 Jahren und die dritte Kategorie lehnt eine Kastration ab, ausser es sprechen medizinische Gründe dafür. Was ist nun richtig?

Fragen über Fragen und auch ich kenne die richtige Antwort dazu nicht. Pubertierende Hunde sind wie pubertierende Menschen, die haben ihre Hormone auch noch nicht im Griff ;-) . Würde ich auf Tierärzte hören, würde ich deshalb auf jeden Fall schauen, wie sich mein Hund entwickelt, ihn also erwachsen werden lassen.
Zitat Dr. Udo Ganslosser aus dem Artikel im WUFF-Magazin (Ausgabe 2010), Frühkastration: „Kategorisch muss aber in jedem Fall die Praxis der Frühkastration abgelehnt werden. Von einer Frühkastration spricht man, wenn bereits vor Abklingen der Pubertät kastriert wird. Dieser Trend schwappt leider, vor allem bei der Hündin, aber zunehmend auch beim Rüden aus den USA, wo diese Praxis an der Tagesordnung ist, zu uns herüber. Hierbei entstehen nur negative Folgen für die Hunde: die betroffenen Tiere werden aggressiver gegenüber gleichgeschlechtlichen Artgenossen und insgesamt unsicherer, nicht nur gegenüber anderen Hunden. Sie bleiben in der körperlichen Entwicklung zurück und werden nie richtig erwachsen, da ihre geistige Leistungsfähigkeit nicht voll ausgereift ist. Das liegt daran, dass sich das Gehirn unter dem Einfluss der Sexualhormone in der Pubertät nochmals weiterentwickelt.“ Vielleicht können die einen oder anderen weiteren Fragen mit dem Interview von Dr. Udo Ganslosser beantwortet werden, gefunden im WWW (s. Schluss des Artikels).

Mein Rüde bleibt intakt. Er kann nun als 2 1/2 jähriger Hund mit seinen Hormonen gut umgehen. Selbstverständlich nehme ich als Hundehalterin dabei die Verantwortung wahr, dass er nicht einfach frei in der Gegend herumstreunen darf und Menschen mit läufigen Hündinnen damit lästig werden kann. Ratschlag kann ich nur einen geben und das gilt für jeden Bereich im Leben des Hundes. Was immer man von allen Seiten hört, schlussendlich sollte man immer auf sein Herz hören und sich in die Lage seines Hundes versetzen. Ich kann nur das weitergeben, was ich bei meinem Rüden und so wie er sich hat entwickeln dürfen, habe beobachten können. Dazu mehr nächste Woche.

Interview Dr. Udo Ganslosser mit Stadthunde.com

PS: Hunde können auch sterilisiert werden, falls kein Nachwuchs erwünscht ist. Dabei werden nicht gesunde Organe herausgeschnitten. Ein Organ ist auch über seine eigentliche Funktion hinaus ein wichtiger Bestandteil für den gesamten Organismus im Körper.

Sozialisierungsphase

Die Sozialisierungsphase bedeutet in Hunde-Fachkreisen nichts anderes als die die Entwicklung des Welpen in der Welt des Menschen. Gemeint ist damit, dass der Hund lernen soll, mit der Umwelt, den Menschen und den Hunden klar zu kommen.

Wenn man weiss, wie Hunde lernen, werden gerade in der Sozialisierungsphase der Welpen und Junghunde sehr viele Fehler begangen. Fehler aus Unwissenheit bei den Haltern, Fehler bei Trainerinnen und Trainer, weil sie an alten Mustern festhalten.

Welpen ergeben sich nur scheinbar in ihr Schicksal. Die Schäden, die in der Sozialsisierungssphase angerichtet werden, zeigen sich erst später, wenn der Hund fertig entwickelt ist.

Wie lernt ein Welpe***? Er lernt über Verknüpfungen. Das was er gerade erlebt und dabei empfindet, verknüpft er. Gefühle haben bei allen Lebewesen, auch bei uns Menschen, eine Bewertungsfunktion. Was der Welpe also in einer Situation wahrnimmt oder erlebt wird anschliessend sofort mit positiven oder negativen Gefühlen verbunden. Hierbei kann es sich um Handlungen, Dinge, Geräusche, Gefühle oder Gerüche handeln. Er lernt nicht, ob etwas richtig oder falsch ist, sondern ob es gefährlich oder ungefährlich ist.

Beispiel:

  • Ein Welpe ist in einem geparkten Auto eingesperrt, muss warten und ängstig sich dabei, weil kleine Kinder laut schreiend neben dem Auto spielen.
    Verknüpfung: Laut schreiende Kinder lösen Angst aus. Im Auto warten löst Angst aus.
    Wenn der erwachsene Hund dann bei laut schreienden Kindern, oder beim Warten im geparkten Auto mit Angst reagiert, muss man sich nicht wundern. Die Besitzer können die Verhaltensweisen dann oft nicht nachvollziehen, weil sie in der Situation nicht bei ihrem Hund waren.

Wenn man weiss, wie Welpen lernen, sollte wohl klar sein, dass jegliche Art des Strafens sinnlos ist. Welpen die durch eine harte Schule gehen und mit Kommandos überhäuft werden, können zwar später folgsam wirken (es kann aber auch anders kommen…), haben aber nie gelernt, selber mit Situationen klar zu kommen. Verhaltensauffälligkeiten treten auf, sei dies gegen Menschen, andere Hunde oder sich selber (s. auch Verhaltensauffälligkeiten)

Eine richtige und gesunde Entwicklung, sei dies für den Welpen oder später den erwachsenen Hund, kann nur über den Weg des positiven und erfolgreichen Lernens führen. Erfolgreich lernen kann ein Hund durch eine sorgsame Begleitung seines Halters. (s. auch Kapitel Welpen).

*** Das Lernverhalten ist bei erwachsenen Hunden genau gleich. Ein Hund lernt ein Leben lang!

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