Revieren und mehr…
…reich durch Erlebnisse!
Strahlend blauer Himmel, angenehme Temperaturen, die Bäume in ihrem herbstlich goldenen Laub vor der Kulisse des Falknis. Eine Ferienwoche der besonderen Art.
Hund und Mensch haben die Zeit in ihrem Rhythmus verbracht. Egal welche Rasse, mit oder ohne Handicap, jung oder schon ein bisschen älter, alle durften in dieser Woche mitmachen.
Was ich einmal mehr erleben durfte, ist, dass es keine Grenzen gibt, wenn man den Hunden Zeit und Raum lässt. Anstelle von „Regelbüchern“ oder Methoden wird viel Wissen und Beobachtungsgabe eingesetzt sowie Achtung und Respekt gelebt. Jeder Hund durfte die Aufgaben auf seine Art und Weise angehen. Wie schnell Hunde doch lernen können, wenn man ihnen nur ein paar Minuten Zeit zum Denken schenkt. Kein Klicker, keine Pfeife, keine Kommandos, keine Unterordnungsübungen, dafür viel Lebensfreude und Spass bei den Hunden sowie Big Smiles bei den Menschen. Wir alle sind um ein paar Zentimeter gewachsen, haben als Gruppe gemeinsam die Freude mit unseren Fellnasen geteilt, wenn sie auf spielerische Art und Weise, anspruchsvolle Aufgaben mit Leichtigkeit lösten.
Möglich machten diese Ferienwoche Nicole Fröhlich und Renate Wicky von www.footstep.ch. Dank ihrem unermüdlichen Einsatz durften wir alle diese wunderschönen Tage erleben. Pausenlos haben sie uns diese Woche begleitet, waren da für Mensch und Hund und haben uns allen wieder sehr, sehr viel mit auf den Weg gegeben. Sie sind das Beste was es für Mensch und Hund gibt.
Ich bin reich, reich durch viele wunderschöne Erlebnisse mit Hund und Mensch.
Was macht der Mensch aus dem Hund
Wenn ich am Rande von Trainingsplätzen Hunde beobachte gehen mir immer wieder viele Fragen durch den Kopf. Schaut man bei der heute gang und gäben Hundeerziehung wirklich auf das wahre Wesen des Hundes? Wird auf seine Instinkte eingegangen? Welche Folgen hat es, wenn man versucht diese weg zu erziehen? Was passiert, wenn sein Ausdrucksverhalten kontinuierlich vom Menschen untergraben wird? Wird präventiv gearbeitet, oder versucht man eher den Hund klein zu halten? Sind Sitz, Platz und Fussübungen bis zum Gehtnichtmehr gut für eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Mensch und Hund? Oft wünschte ich mir, dass sich diese Fragen Hundebesitzerinnen oder Hundebesitzer stellen und sich nicht einfach mit „Dominanzsprüchen“ abspeisen lassen, wenn Ausbildner nicht mehr weiterwissen.
Das Leben mit einem Hund erscheint immer komplizierter. Hundegesetze, Vorschriften in den Gemeinden und all dies noch in jedem Kanton anders. Wer kann da den Überblick noch wahren. Die Menschen „müssen“ obligatorisch einen Hundekurs besuchen. Grundsätzlich wären diese Kurse nicht verkehrt, es hat sich sehr viel verändert in der Welt der Hunde, so dass auch langjährige Hundehaltenden von neuen Erkenntnissen profitieren können. Bedinung wäre da lediglich, dass nach neustem Wissen unterrichtet wird und nicht immer noch althergebrachte Methoden vermittelt werden.
Früher erschien das Leben mit Hunden viel einfacher und es war auch so. Bestimmt liegt es daran, dass es damals mehr Freiräume gab. Sozialisation mit Artgenossen musste ein Hund nicht auf einem Trainingsplatz lernen, man traute ihm da noch zu, dass er das bereits in seinen Genen hat. Bandscheibenschäden, Rückprobleme, Hyperaktivität und Verhaltensauffälligkeiten kannte man weniger – dies sind alles neuzeitliche Erscheinungsbilder. Da gab es aber all die Trainingsfelder wie Dogdance, Dogfrisbee, Flyball, Agillity etc. noch nicht. Die Menschen wurden in den letzten Jahren im „Hundesport“ immer aktiver und heute hört man als erstes immer „man müsse den Hund beschäftigen“. So geschieht es nicht selten, dass mit den Hunden viel zu viel in den falschen Bereichen gemacht wird, sie ständig in Aufregung sind und kaum mehr entspannen können.
Sind all die Sportarten wirklich im Sinne des Hundes? Hätte er eine Wahl, was würde er vorziehen: einen Hundesportplatz oder einen Spaziergang im Wald mit vielen interessanten Gerüchen zusammen mit seinem Menschen? Für mich steht ausser Frage, welche Wahl ein Hund treffen würde.
Mein Hund jagt – Jagdverhalten der Hunde
Zuerst möchte ich hierzu gleich einen Literaturtipp geben, das unerwünschte Jagdverhalten von Clarissa von Reinhard (s. Buchtipps).
Das Jagdverhalten gehört zu den Wesenseigenschaften aller Hunde. Sie sind in ihrem Herzen Jäger. Das Jagdverhalten kann aufgrund von Rassemerkmalen natürlich ausgeprägter sein. Und doch gibt es keine Regel ohne Ausnahmen. Es gibt typische Jagdhunderassen, die kein Interesse an der Jagd zeigen und es gibt Hunde, die nicht der Kategorie der Jagdhunde zugeordnet sind und trotzdem intensiv jagen. Oft steht das Jagdverhalten auch im Zusammenhang mit den Menschen, was lernen sie (oft unbewusst) ihren Hunden.
Die zur jagdlichen Arbeit eingesetzten Hunde lernt man, wie sie richtig im Dienste des Jägers jagen. Z.B. ein für den Apport ausgebildeter Hund bringt das Wild in weichem Fang dem Jäger zurück. Es gibt jagdliche Arbeitshunde, welche in ihren Familien leben und ausserhalb der Jagdsaison nicht jagen, also zwischen Arbeit und Freizeit gut unterscheiden können.
Wenn man einen Jagdhund als Familienhund wählt, sollte man sich gut über seine Veranlagung informieren. Es sollten auch nicht Hunde aus Arbeitslinien (spezielle Jagdhundezuchten) gewählt werden. Jagdhunde kann man ihren Anlagen entsprechend beschäftigen, ohne dass man mit der Flinte auf die Jagd gehen muss. Hierzu gibt es u.a. eine Form beschrieben im Buch Jagdhund ohne Jagdschein von Sabine Midlehauffe (s. Buchtipps)
Das Jagdverhalten ist abhängig von
- der Instinktsicherheit des Hundes (Zuchtlinie, Rasse)
- den Gelegenheiten zum Lernen durch Nachahmung
- den Augenblicken einer Gruppendynamik (gab es Gelegenheiten, bei welchen der Hund mit anderen Hunden gemeinsam jagen konnte)
- den Gelegenheiten, die sich ihm zum „Üben“ boten (z.B. ständiges Bällchenwerfen gehört da auch dazu).
- Aber auch eine Unterfütterung, ständige Hungergefühle, können zur Jagd animieren.

Bei den Hunden sind für die Jagd alle Sinne im Einsatz.
- Vorzugsweise werden zuerst die Augen eingesetzt. Bewegt sich etwas im Sichtfeld des Hundes, beginnt die Jagd. Viele Hundebesitzer beklagen sich darüber, dass ihre Hunde Katzen jagen. Eigene Beobachtungen haben mich gelehrt, dass vom Chihuahua bis zur Dogge eine Sichtjagt (sehen und dann hetzen) auch auf grössere Distanz möglich ist.
- Mit den Ohren wird das Rascheln oder Knacken von Ästen wahrgenommen und gibt den Hunden die Richtung von möglichen Beutetieren an.
- Die Nase wird verschieden eingesetzt. Ist das Wild in der Nähe, wird der Geruch mit hoher Nase aufgenommen. Folgt der Hund einer Fährt, ist die Nase auf oder etwas über dem Boden (ja nach frische der Fährte oder der Art, wie der Hund arbeitet).
Hundehalter, welche aufmerksam ihre Hunde beobachten, können alle vier Elemente der Sinneswahrnehmung bei ihrem Hund erkennen. Gutes Beobachten, auch auf dem Spaziergang, lohnt sich immer. Der Mensch muss ganz einfach schneller sein.
Jagdliche Zuchtlinien (Arbeitslinien) weisen verschiedene Arten des Jagens aus:
- das Rennen/Hetzen (Laufhunde – z.B. Bracke, Windhunde/Podencos)
- das Beutetragen (Apportierhunde – z.B. Retriever)
- das Aufstöbern (Stöberhunde – z.B. deutsche Wachtel, Cocker Spaniel)
- die Fährte (Schweisshunderassen)
- das Vorstehen, anzeigen des Wildes (z. B. Weimaraner, Magyar Viszla, Setterhunde)
- das Heraustreiben aus den Bauten (Erdhunde – z.B. Dackel, Parson/Jack Russell Terrier)
Das unerwünschte Jagdverhalten von nicht jagdlich geführten Hunden ist meistens die Hetzjagd auf ein Tier, welches vom Hund gesehen wird. Mit dieser Jagdform holt sich der Hund oft eine Selbstbelohnung, beschäftigt sich eigenständig. Es liegt also am Menschen, dass der Hund nicht ein solches Verhalten lernt. Artgerechte Beschäftigung, welche den (unerwünschten) Jagdtrieb im Hund nicht unnötig fördert, ist gefragt. Alle Spiele oder Sportarten, bei welchen der Hund einem Gegenstand hinterher jagen darf, fördern den Hetztrieb. Den Kick (eine Art von Belohnung), welchen er im Spiel erfährt, wird er sich auch bei lebenden Tieren holen, er wird da keinen Unterschied machen.
Ist man mit mehreren Hunden unterwegs, kann ein Hund eine Jagd mit dem ganze Rudel auslösen (auch wenn die anderen Hunde in der Regel nicht jagen (Rudeleffekt).
Hundehaltende müssen auf den Spaziergängen agieren, d.h. hohe Aufmerksamkeit, die Landschaft einschätzen, Windverhältnisse beachten und den Hund lesen können (nimmt er eine Spur auf, steht er vor, sucht er den Horizont ab, dann ist er u.U. bereits in seiner Jagd-Welt / ist er in stetigem freiwilligem Blickkontakt mit seinem Menschen, dann steht er in Beziehung zu seinem Menschen).
Eigene Ablenkungen liegen auf den Spaziergängen nicht drin, der Hund wird das nämlich sehr schnell bemerken, ob die Aufmerksamkeit ihm gilt oder etwas anderem. Zeigt ein Hund ein Jagdverhalten, ist er schneller weg, als uns lieb ist…
Konditionierung
Das Clickertraining ist eine weitverbreitete Methode für die Konditionierung der Tiere. Die klassische Konditionierung wurde erstmals von Iwan Petrowitsch Pawlow beschrieben.
Beim Clickertraining wird der Hund mit Clicker und Futter konditioniert – er verknüpft das Click-Geräusch mit der ERWARTUNG eines Leckerlis. Gesprochen wird hier in der Clicker-Fachwelt vom „Lernen am Erfolg“.
Was Hundehalter bei dieser Trainingsmethode leider immer vergessen: Sie können ihre Gefühle, die Freude und volle Aufmerksamkeit auf das Wesen Hund nicht einsetzen. Ihre Gedanken sind stets beim richtigen „Click“ (das weiss ich aus eigener Erfahrung in einer Übung zwischen Mensch und Mensch, s.auch hier). Schafft das eine Beziehung zwischen Mensch und Hund? Nein. Wer mit Clicker arbeitet, zeigt kein echtes Interesse an einer feinen Kommunikation zwischen Mensch und Hund (Tier).
Diese Trainingsmethode macht aus den Hunden einen Leckerli-Junkie und einen „Clicker-Sklaven“.
(jetzt weiss ich, woher die Redewendung “ein Hundeleben” stammt…)
Der Hund lernt überhaupt nicht am Erfolg. Er entwickelt sich zu einer lebendigen Zirkusnummer in ständiger ERWARTUNGSHALTUNG darauf, was er nun als nächstes tun MUSS. In unserer Gesellschaft, in der keine Zeit bleibt, etwas entstehen zu lassen, wo oft nur Effizienz zählt, soll der Hund nun ebenso funktionieren und das natürlich so schnell wie möglich. Viele Menschen haben leider immer noch das Machtstreben in sich, den Hund sich untertan zu machen, um ihren eigenen Selbstwert zu erhöhen.
Lernen am Erfolg
Am Erfolg lernt ein Hund, wenn er Situationen erfolgreich selber bewältigen kann. Das heisst nicht, dass man den Hund einfach seinem Schicksal überlassen soll, damit er erfolgreich lernen kann. Die Kunst ist es, den Hund lesen und verstehen zu können, wann er sich sicher oder unsicher fühlt, ihn in den Situationen unterstützt, so dass er in seinem Tempo sich entwickeln und lernen kann. Von dem Moment an, wo ein junger Hund von seiner Mutter und den Geschwistern durch Menschenhand getrennt wird, hat der Mensch die Verantwortung für das Lebewesen Hund übernommen. Diese Rolle sollte auch HUNDEGERECHT getragen werden.
PS: Es gibt auch noch andere Konditionierungsmethoden wie beispielsweise die Hundepfeife, stetiges Leckerli geben als Belohnung etc.
Training
Das Clickertraining ist nur eine von vielen Trainingsmethoden. In meiner Ausbildung haben wir an uns Menschen geübt, wie ein Clickertraining aufgebaut wird. Natürlich hatten wir dabei bereits einen grossen Vorteil gegenüber dem Hund. Wir wussten nämlich schon, dass wir mit einem Click eine positive Antwort erhalten. Der Hund muss das erst noch herausfinden…
In Zweiergruppe gingen wir an die Übung. Nachstehend meine Erfahrungen, welche ich bei dieser Übung gemacht habe.
- In der Rolle des Hundes: Anfänglich war das Spiel noch lustig. Als ich aber nicht herausfand, in welche Richtung das Training geht, entstand Frustration. Ich regte mich innerlich auf. Ich merkte im Anschluss, dass mein Trainer oft Fehler gemacht hat, z.B. zu früh oder zu spät geklickt hat. Also habe ich die Bestätigung falsch „verknüpft“.
- Aus der Sicht des Trainers: Man kann leicht Fehler machen, wenn man nicht klar ist (zu spät oder zu früh clickt). Ich habe mich deshalb sehr auf die Aufgabe konzentrieren müssen. Dabei war ich mit meinen Gedanken beim Clicker und den Bewegungen meines “Hundes”. Ich war aber nicht in der selben Verbindung mit „meinem Hund“ wie ich es sonst wäre. Ich konnte mich nicht gleichzeitig auf den Clicker konzentrieren und mich dann noch auf seine Körpersprache einlassen, seine Gefühle bemerken.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich in so hoher Konzentration eine Trainingseinheit über einen längeren Zeitraum, ohne Fehler zu machen, führen könnte.
Beim Training wird in der Regel aus der Sicht des Menschen geschaut und nicht aus der des Hundes! Für den Menschen ist das Training lustig, für den Hund aufregend/stressig. „Mein Hund freut sich, wenn ich den Clicker nehme“ hört man oft. Ist es Freude oder Aufregung? Aufregung erhöht den Stresspegel. Daran sollte man immer denken.
Bei einem Training welcher Art auch immer, sollte verschiedene Punkte beachtet werden wie
- Die Gesundheit
- Länge einer Trainingseinheit
- Gelände (nicht dorthin gehen, wo viel los ist)
- Im Haushalt: Dinge so stellen, die es dem Hund angenehm machen
- Stressreduktion – Nach dem Training genügend Ruhezeit und nicht gleich wieder neue Herausforderungen an den Hund stellen.
- Hat der Halter die Fertigkeiten, um ein Training durchführen zu können? Was muss der Halter mitbringen, damit er Gewünschtes überhaupt umsetzen kann? Nur ein Buch über eine Trainingsmethode zu lesen, reicht nicht!
Ein lachender Hund, bedeutet nicht, dass der Hund glücklich ist. Vielmehr handelt es sich hier bereits um einen erhöhten Stresslevel (die Ecken der Lefzen gehen nach oben und der Hund hächelt leicht). Wenn man mit seinem Hund trainiert, sollte man nicht vergessen, die Körpersprache (Beschwichtigungs-signale) des Hundes in das Training mit einzubeziehen. Aus ihr kann man alles lesen. Was aber noch wichtiger ist, man muss sie auch richtig lesen können.

