Spaziergang

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Sozialer Spaziergang

Hunde sollen sich mit allen Hunden sozial vertragen. So wird es den Menschen oft in den Hundeschulen gelehrt. Ich erlebe auf den Spaziergängen viel, dass die Menschen schon fast zwanghaft ihren Hund mit einem anderen Hund spielen lassen wollen. Steigt man darauf nicht ein, stösst man manchmal auf Unverständnis.

Der Hund soll sich mit allen Hunden sozial vertragen. Muss er das? Wie ist das bei uns Menschen, wenn wir spazieren gehen. Bleiben wir bei allen Menschen stehen, schütteln ihnen die Hand und sprechen noch ein paar Worte mit ihnen? Ist es nicht eher so, dass man nur kurz grüsst oder sogar wortlos an den Menschen vorbei geht? Da stellt sich bei mir doch automatisch die Frage, warum muss dann der Hund mit jedem Hund einen Sozialkontakt Nase an Nase haben?

Für mich ist diese Idee klar in den Köpfen der Menschen entstanden. Ein Hund, welcher nicht auf „Sozialverträglichkeit mit allen Hunden“ trainiert wurde, zeigt kein solches Verhalten.

Hunde kommunizieren auf Distanz mit ihrem Körper. Es muss überhaupt nicht zu einem Nase-an-Nasetreffen kommen. Über die Markierungen erfahren sie alles, was sie wissen müssen vom Hund nebenan. Es gibt Hunde, die können sich nicht riechen, das gibt es bei uns Menschen auch. Dann gibt es Hunde, die sich zwar nett finden, aber keinen näheren Kontakt brauchen. Es gibt aber auch die Hunde, die sich besonders nett finden. Da wird der nähere Kontakt gesucht und manchmal gibt es auch ein kleines gemeinsames Hundespiel. Lässt man die Hunde in ihrer Körpersprache kommunizieren, kommt es in der Regel zu keinem Konflikt. Nur dort, wo der Mensch eingreift und andere Verhaltensformen beim Hund eintrainiert.

Mit einem sozialen Spaziergang gibt man den Hunden die Möglichkeit, sich in aller Ruhe auf Distanz kennen zu lernen. Die Hunde sind angeleint, vorzugsweise mit einer 3m Leine. Man lässt die Hunde gegenseitig auf den Spuren des andern schnüffeln, immer mit der nötigen Distanz von Hund zu Hund. Dabei kann sehr schön die Körpersprache der beiden Hunde beobachtet werden. Nach einer gewissen Zeit (dies kann u.U. auch nach mehreren Spaziergängen erst der Fall sein), wenn die erste Aufregung vorbei ist und die Hunde positive Signale für eine Begegnung abgegeben haben, können die Hunde abgeleint werden. In der Regel findet dann ein ruhiger Spaziergang statt, bei welchem die Hunde nicht unbedingt Körperkontakt suchen, die Distanz bleibt. Es kann aber auch ein gegenseitiges Spiel entstehen.

Die Menschen lernen auf den sozialen Spaziergängen mit ihren Hunden GEMEINSAM unterwegs zu sein. Sie lernen die Körpersprache und das Ausdrucksverhalten ihres Hundes kennen. Gegenseitiges Verstehen schafft Vertrauen. Vertrauen schafft Bindung.

(Bilderquelle: Google)

Ärger beim Spazieren

Im ersten halben Jahr habe ich mich auf den Spaziergängen mit mit meinem Hund oft aufgeregt. Es war unglaublich, wie viele nette und wohlgemeinte Ratschläge ich von anderen Hundehaltern und Hundehalterinnen frei Haus einfach so bekommen habe, Ratschläge die ich gar nicht wollte. Ich glaube die Variationen sind nirgends so vielfältig wie in der Hundebegleitung/Hundeführung. Als Ersthundehalterin fühlte ich mich dann oft noch verunsichert.

Dazu raufgepackt musste ich mir oft auf den Spaziergängen noch sagen lassen, was ich zu tun habe, so z.B.

  • Hunde regeln das selber untereinander. Lassen Sie Ihren Hund doch von der Leine.
  • Lassen Sie Ihren Hund los, meiner macht nichts.
  • Mein Hund muss zwecks Sozialisierung jeden Hund treffen. (und das sind dann meistens noch die Hunde mit Mobbing-Verhalten, welche sich mit den Pfoten boxend auf andere Hunde stürzen)
  • etc.

Dieser Liste können noch all die Nordic-Walker, Jogger und Radfahrer angehängt werden, welche ungebremst ihren Weg gehen. Ein Spiessrutenlauf könnte man meinen. Muss das sein? Nein.

Was bringt mir dieser Ärger? Nichts. Ich möchte einfach wenn immer möglich einen entspannten und entspannenden Spaziergang mit meinem Hund machen. Jeder hat aber vermutlich seine eigenen Vorstellungen, wie er gerne seinen Hund begleiten möchte. Vielleicht ist das vergleichbar wie bei der Kindererziehung.

Was also konnte ich ändern? Bestimmt nicht die anderen Menschen. Und Ärger erzeugt immer Gegenärger. Es gab nur einen Weg, ich musste etwas bei mir selber ändern. Also habe ich mich damit auseinandergesetzt was genau ich will.

  1. Ich habe mir also eine freundliche aber bestimmte Antwort zurechtgelegt, welche ich wenn es sein muss Menschenbegegnungen mit Hund geben kann.
  2. Wenn ich mit Respekt behandelt werden möchte, muss ich mit Respekt meiner Umwelt/meinem Umfeld begegnen.
    Mein Hund und ich haben uns in letzter Zeit oft im „Herz zu Herz spazieren“ geübt. Die Ausrüstung: Mindestens eine 3m Schleppleine mit Handschlaufe und ein Brustgeschirr.
    Eine Leine muss keine Strafe sein. Die Leine kann durchaus dem Hund auch Sicherheit verschaffen und eben eine Verbindung von Herz zu Herz darstellen. Wer die Körpersprache seines Hundes versteht und ihn an der Leine aus unangenehmen Situationen führen kann, gibt seinem Hund damit Sicherheit. Die Hunde laufen mit der Zeit an einer lockeren Leine.
    Wenn ich durch eine Wohngegend spaziere, leine ich meinen Hund immer an. Es braucht nicht viel: einen Vogel, welcher davon fliegt, eine Katze, die davon springt oder fein riechendes Katzenfutter, welches manchmal den Katzen draussen hingestellt wird. Mein Hund hat nichts an und in fremden Gärten zu suchen. Nicht alle Menschen mögen Markierungen an ihren Mauern und schon gar nicht fremde Hunde im Garten, welche querbeet einem Vogel hinterher springen.
    Indem ich meinen Hund anleine, wenn mir Jogger, Radfahrer oder Nordic Walker begegnen, erspare ich mir viele ärgerliche Kommentare und gebe dem Hund gleichzeitig Sicherheit. In den meisten Fällen bedanken sich die Sportler sogar für die Rücksichtnahme und ich bedanke mich im Gegenzug, wenn sie ihr Tempo zurücknehmen oder ihre Stöcke für kurze Zeit nicht benützen.
  3. Warum gehe ich mit meinem Hund spazieren?
    Geht es mir vor allem darum, möglichst vielen Menschen mit Hund zum Höflichkeitsaustausch zu begegnen? Geht es mir darum, mich mit einer Kollegin zu treffen? Geht es mir darum, mich sportlich zu betätigen? All diese Fragen mit ja beantwortet, sind schlechte Voraussetzungen für einen Hundespaziergang. Die Aufmerksamkeit ist bei solchen Aktivitäten nicht mehr beim Hund. Man ist abgelenkt.
    Mein Ziel ist klar. Ich möchte zusammen mit meinem Hund einen schönen Spaziergang machen, bei welchem wir etwas gemeinsam erleben können und er schnüffeln, spielen und einfach Hund sein kann. Diese Zeit soll uns gehören, soll Qualitätszeit sein und nicht nur eine Versäuberungsrunde für den Vierbeiner. Dabei will ich meine volle Aufmerksamkeit meinem Hund schenken. Nur so kann ich sehen, ob er in Situationen gerät, die für ihn unangenehm oder sogar gefährlich werden könnten oder ob er Wild in der Nase hat. Alles passiert oft in Bruchteilen von Sekunden. Wenn ich dabei am Schwatzen, Joggen, Höflichkeiten austauschen etc. bin, ist meine Aufmerksamkeit nicht beim Hund.
  4. Für einen Hund sind frontale Begegnungen nicht einfach. Also suche ich mir Plätze zum Spazieren, wo sich nicht die halbe Welt trifft. Uferpromenaden z.B. sind Plätze, wo sich gerne viele Leute, Sportler und Hundebesitzer aufhalten. Oft sind die Wege schmal und Platz zum allfälligen Bogenlaufen ist nicht vorhanden.
    Ich kenne mittlerweile sehr viele schöne Spaziergänge, (auch mit Wasser zum Baden für den Hund) auf welchen wir mit einem Lächeln im Gesicht gemütlich spazieren können. Begegnungen gibt’s trotzdem immer, aber in Dosierungen, wo sie in Ruhe angegangen werden können und halt Freude bei Mensch und Hund bereiten.
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