Hundeschulen am TV

Solange Menschen nicht denken das Tiere fühlen,
müssen Tiere fühlen das Menschen nicht denken…
indianisches Sprichwort

Kürzlich waren meine Eltern bei mir zu besuch. Meine Mami liebt es, Tiersendungen im Fernsehen anzuschauen. So ist sie auch auf eine Sendung gestossen, in welcher eine Frau Hundeerziehungs-Methoden zeigte. Die Hunde wurden mit ihren Verhaltensauffälligkeiten vorgestellt und dann wurde gezeigt, wie man ihnen diese wegtrainiert.

Ich habe mir noch nie eine solche Sendung angeschaut, resp. ich habe vor ein paar Jahren auf dem Schweizer Fernsehen einmal eine Sendung über einen „Hundeflüsterer“ gesehen, welche MICH in sehr kurzer Zeit in Bezug auf solche Sendungen kuriert hat.

Mami erzählte mir also an dem Nachmittag in heller Begeisterung, wie diese Frau den Hunden innerhalb kürzester Zeit Probleme wegtrainieren könne. Ich müsse mir unbedingt diese Sendung einmal anschauen, da könne ich bestimmt noch viel für meine Ausbildung lernen, meinte sie. Am Schluss des Nachmittags sass ein ganz ent-täuschtes Mami an meinem Tisch, weil sie merken musste, dass ich zwar eine Ausbildung als Hundetrainerin mache, mein Ziel es aber auf keinen Fall sein wird, mit schnellen Rezepten zu arbeiten.

Vorsicht vor Hundetrainings-Sendungen am Fernsehen!

Das Fernsehen und die Zeitungen sind Medien, welche den Menschen die Sendungen so präsentieren, wie der Mensch sie sehen will. Einschaltquoten sind vor allem wichtig. In den Sendungen werden bestimmt immer „erfolgreiche Beispiele“ präsentiert.

Diese Sendungen passen gut in unsere schnelllebige Zeit. Und die Hunde sollen nun noch schneller lernen. Wenn’s ganz schlecht läuft, beginnen die Zuschauer noch mit ihren Hunden die Trainingsmethoden auf eigne Faust nachzumachen.

Ich möchte die Sendungen auf keinen Fall bewerten, das will ich nicht und kann ich nicht, weil ich sie mir nicht anschaue. Ich kann aber den Zuschauern ein paar Denkanstösse geben:

  • Bei allem was Sie sehen, was man Ihnen sagt oder was Sie mit Ihrem Hund tun möchten, schauen Sie sich die Situation aus der Sicht des Hundes an. Versetzen Sie sich in seine Lage und stellen Sie sich geanu vor, was die Trainingsmethode beim Hund auslöst, warum sie so schnell zum Erfolg führt.
  • Wenn Sie es sich nicht bildlich vorstellen können, lassen Sie sich doch einfach einmal an einer Hundeleine führen (wir haben das in der IDBTS-Ausbildung auch getan) und bekommen Sie so ein Gefühl für einen Hund an der Leine. So fällt es dann einfacher, sich auch in andere Situationen hineinfühlen zu können.
  • Hören Sie immer auf Ihr Herz. Nur das kleinste ungute Gefühl, welches Sie bei einer Trainingsmethode empfinden, ist Grund, diese nicht anzuwenden, auch wenn der Hundetrainer oder die Hundetrainerin sie gut findet. Es ist Ihr Hund und Sie entscheiden über die “Erziehungsmethoden”.
  • Lassen Sie Ihrem Hund Zeit, etwas zu lernen, so viel Zeit, wie er eben dazu benötigt (so viel Zeit, wie Sie sich auch geben würden, um etwas Neues zu lernen). Führen Sie Tagebuch und Sie werden die positiven Veränderungen Schritt für Schritt darin erkennen können.
  • Lehnen Sie fragwürdige Hilfsmittel immer ab. Der Artikel „Köpfchen statt Knöpfchen“ von Clarissa von Reinhardt zeigt auf, was z.B. ein Sprühhalsband, welches ja keine Schmerzen beim Hund verursachen soll, auslösen kann. Das Sprühhalsband ist nur eines von ganz vielen schlechten Trainings-Hilfsmitteln.

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